{"id":76002,"date":"2024-09-03T16:47:30","date_gmt":"2024-09-03T16:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/?p=76002"},"modified":"2024-09-04T02:53:22","modified_gmt":"2024-09-04T02:53:22","slug":"im-zweirichtungsbus-zum-magischen-berg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/2024\/09\/03\/im-zweirichtungsbus-zum-magischen-berg\/","title":{"rendered":"Im Zweirichtungsbus zum magischen Berg"},"content":{"rendered":"<section class=\"wpb-content-wrapper\">[vc_row][vc_column width=&#8220;3\/4&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;651770&#8243;]<span class=\"font-762333\" style=\"color: #000080;\">Der Mont-Saint-Michel, der eindr\u00fcckliche Klosterberg auf einer Insel im normannischen Wattenmeer, ist nicht nur die wichtigste Touristenattraktion der Region, sondern weist auch eine weltweit einzigartige Busl\u00f6sung auf: Die Erschliessung erfolgt prim\u00e4r \u00fcber Zweirichtungsbusse.<\/span>[\/vc_column_text][vc_column_text el_class=&#8220;article-author&#8220; uncode_shortcode_id=&#8220;989746&#8243;]Ein Kurzbericht von Sandro Fl\u00fcckiger (Text und Fotos).[\/vc_column_text][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;185004&#8243;]\r\n<h4><strong>Wie die Abtei auf die Insel kam<\/strong><\/h4>\r\nDer Legende nach forderte der Erzengel Michael den Bischof von Avranches im fr\u00fchen 8.\u00a0Jahrhundert immer wieder auf, auf einer Felseninsel in der Bucht s\u00fcdwestlich der Stadt eine Kirche zu seinen Ehren zu errichten. Als der Bischof dieser Bitte nicht nachkam, brannte der Engel ihm ein Loch in den Sch\u00e4del. Die Geschichte des Klosters auf den Felsen des Mont-Saint-Michel begann aber erst Mitte des 10. Jahrhunderts. Diese erste Klosteranlage wurde im Hundertj\u00e4hrigen Krieg fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Da die Insel bereits damals viele Pilger anzog, legte man anschliessend Wert darauf, eine eindr\u00fcckliche Abteikirche im gotischen Stil zu bauen, welche im Jahr 1520 fertiggestellt wurde. Die religi\u00f6sen und politischen Verh\u00e4ltnisse \u00e4nderten sich in den folgenden Jahrhunderten und so wurde aus dem Kloster im Zuge der franz\u00f6sischen Revolution ein Gef\u00e4ngnis. Anfang des 19.\u00a0Jahrhunderts waren schliesslich viele Bauten verfallen und die auf der Insel gelegene Ortschaft verarmt.\r\n<h4><strong>Restaurierung und Erschliessung \u00fcber einen Damm<\/strong><\/h4>\r\nDies \u00e4nderte sich, als sich ab 1836 eine Gruppe um Victor Hugo f\u00fcr die Wiederherstellung zu bem\u00fchen begann. Allerdings gab es bez\u00fcglich der Erschliessung der Insel ein Problem: die Region weist mit bis zu 14 Meter Tidenhub stark ausgepr\u00e4gte Gezeiten auf und die Insel war nur bei Niedrigwasser \u00fcber das Wattenmeer erreichbar. Damit die Touristen unabh\u00e4ngig der Gezeiten die Insel erreichen konnten, wurde zwischen 1877 und 1879 ein Damm errichtet, der von Personen und Fuhrwerken ganzt\u00e4gig genutzt werden konnte. Noch endete die von Foug\u00e8res kommende Bahnlinie in La Caserne auf dem Festland. Diese erste Bahnanbindung des Mont-Saint-Michel rentierte allerdings nicht und wurde bereits 1886 wieder eingestellt.\r\n\r\nAb dem Sommer 1901 nahm eine 10 Kilometer lange normalspurige Bahnlinie ab Pontorson den Betrieb auf und hatte den Endpunkt direkt vor den Stadttoren des Mont-Saint-Michel auf dem Damm. Diese als eigenst\u00e4ndige Stichlinie betriebene Bahnlinie schrieb aber durch die starken saisonalen Frequenzschwankungen ebenfalls bald Verluste. Dies verst\u00e4rkte sich ab den 1930er-Jahren durch das Aufkommen von Autos und Bussen stetig und so war man 1938 gezwungen, den Bahnbetrieb zum Mont-Saint-Michel einzustellen. Stattdessen wurde in den 1960er-Jahren neben dem Damm ein Parkplatz im Wattenmeer errichtet, der allerdings durch die Gezeiten ebenfalls immer wieder \u00fcberflutet wurde.\r\n\r\n\u00d6V-Reisende mussten am 9 Kilometer von der Insel entfernten Bahnhof von Pontorson auf den Bus umsteigen oder den Weg zum Mont-Saint Michel zu Fuss zur\u00fccklegen.[\/vc_column_text][vc_single_image media=&#8220;75996&#8243; caption=&#8220;yes&#8220; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243; uncode_shortcode_id=&#8220;759858&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;116323&#8243;]\r\n<h4><strong>Aus dem Damm wird ein Steg<\/strong><\/h4>\r\nAnfang der Nullerjahre stellte man nicht nur fest, dass die Parkpl\u00e4tze nicht f\u00fcr die stetig wachsenden Touristenmassen \u2013 inzwischen \u00fcber 3 Millionen Personen j\u00e4hrlich \u2013 reichten, sondern auch, dass der Damm in der M\u00fcndung Couesnon dazu f\u00fchrte, dass sich Sand sammelte und so der Inselberg immer mehr verlandete. Dem wollte man begegnen, indem der Damm durch eine Br\u00fccke ersetzt werden sollte.\r\n\r\nIm Jahr 2006 begannen die Bauarbeiten, wobei zuerst ein Gezeitendamm im Fluss gebaut wurde, der das Meerwasser bei Flut zur\u00fcckh\u00e4lt und den Fluss staut. Diese Arbeiten waren 2008 abgeschlossen und man machte sich daran, den bisherigen Damm zum Mont-Saint-Michel durch einen filigranen Stahlsteg zu ersetzen, der erm\u00f6glicht, dass das Meerwasser die Insel vollst\u00e4ndig umsp\u00fclen kann. Das Unterfangen kostete nicht nur 200 Millionen Euro, sondern brachte f\u00fcr die Erschliessung auch ganz neue Herausforderungen mit sich.\r\n\r\nW\u00e4hrend die Erstellung von rund 4&#8217;000 Parkpl\u00e4tzen in La Caserne, ca. 2.5 Kilometer vom Stadttor entfernt, relativ unproblematisch war, gab es w\u00e4hrend der finalen Bauphasen zwischen 2012 und 2014 keine M\u00f6glichkeit, Busse am Mont-Saint-Michel zu wenden, die Verkehrswege endeten jeweils stumpf ohne Wendeplatte. Daher entschied man sich f\u00fcr eine weltweit einmalige L\u00f6sung zur Erschliessung der Klosterinsel: Zweirichtungsbusse mit F\u00fchrerst\u00e4nden und lenkbaren Achsen auf beiden Seiten, die auf der Stelle die Richtung wechseln k\u00f6nnen.[\/vc_column_text][vc_single_image media=&#8220;75997&#8243; caption=&#8220;yes&#8220; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243; uncode_shortcode_id=&#8220;378955&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;139363&#8243;]\r\n<h4><strong>Zweirichtungsbusse als Shuttle<\/strong><\/h4>\r\nDie Firma Contrac Cobus, die eigentlich f\u00fcr Vorfeldbusse auf Flugh\u00e4fen bekannt ist, nahm sich der Herausforderung an und entwickelte den COBUS DES (Double End Steering). Dank eines Wendegetriebes kann die Antriebsrichtung des Automatikgetriebes umgekehrt werden, womit der Bus in beide Fahrtrichtungen mit bis zu 50 km\/h unterwegs sein kann, die jeweils hintere Achse wird dabei in gerader Position fixiert. Neben den offensichtlichen Herausforderungen galt es f\u00fcr die Zulassung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Strassenverkehr auch Details zu beachten \u2013 so wurden Reflektoren und Scheinwerfer versenk- bzw. umstellbar vorgesehen, damit jeweils auch nachts eindeutig erkennbar ist, in welche Richtung der Bus verkehrt. Damit man Komponenten aus dem Flughafenbus Cobus 2700 \u00fcbernehmen konnte, setzte man auf eine Fahrzeugbreite von 2.70 Meter. Damit haben die Cobus DES 15 Zentimeter \u00dcberbreite und ben\u00f6tigen eine Ausnahmegenehmigung. Auch mit ihrer L\u00e4nge von 14.50 Meter und einem Radstand von 8.05 Meter liegen sie \u00fcber den \u00fcblichen gesetzlichen Vorgaben f\u00fcr Zweiachsbusse, was einen Einsatz abseits der Shuttle-Verbindung verhindert.[\/vc_column_text][vc_single_image media=&#8220;75993&#8243; caption=&#8220;yes&#8220; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243; uncode_shortcode_id=&#8220;179876&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;208439&#8243;]Die ersten sechs Busse, die in Anlehnung an den Steg, den sie befahren, mit Teakholz verkleidet wurden, nahmen den Betrieb im Sommer 2012 auf. Im Jahr 2014 wurde die Flotte um sechs Fahrzeuge erweitert, um die \u00abLe Passeur\u00bb genannte Shuttle-Verbindung zwischen dem Parkplatz und dem Mont-Saint-Michel verdichten zu k\u00f6nnen. Mindestens im 10-Minuten-Takt, bei hohem Besucheraufkommen auch dichter, verkehren nun die zw\u00f6lf Shuttlebusse zwischen Parkplatz und dem \u00abmagischen Berg\u00bb, der mit seinen engen G\u00e4sschen angeblich Inspiration f\u00fcr die Winkelgasse in \u00abHarry Potter\u00bb und mit seiner Form f\u00fcr Minas Tirith in \u00abHerr der Ringe\u00bb war.\r\n\r\nInzwischen verkehren auch wieder normale Busse zum Mont-Saint-Michel: Die Busverbindung zum Bahnhof Pontorson mit 5 Kurspaaren t\u00e4glich sowie die Linie f\u00fcr die Anwohner und Angestellten der Insel werden durch Keolis mit vier Midibussen von Mercedes-Benz bedient und enden sogar ein paar Meter n\u00e4her an der Insel als die Shuttles, die noch auf dem Steg die Richtung wechseln.[\/vc_column_text][vc_single_image media=&#8220;75994&#8243; caption=&#8220;yes&#8220; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243; uncode_shortcode_id=&#8220;182058&#8243;][vc_accordion][vc_accordion_tab gutter_size=&#8220;2&#8243; column_padding=&#8220;2&#8243; title=&#8220;Technische Angaben Cobus DES&#8220; tab_id=&#8220;1725023090-2-67&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8220;209933&#8243;]\r\n<table>\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">L\u00e4nge<\/td>\r\n<td width=\"397\">14.50 m<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Breite<\/td>\r\n<td width=\"397\">2.70 m<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">H\u00f6he<\/td>\r\n<td width=\"397\">2.98 m<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Radstand<\/td>\r\n<td width=\"397\">8.05 m<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">\u00dcberhang (beidseitig)<\/td>\r\n<td width=\"397\">3.225 m<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Motor<\/td>\r\n<td width=\"397\">Cummins ISB 6.7 EV (EEV-Abgasnorm)<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Hubraum<\/td>\r\n<td width=\"397\">6.7 l<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Leistung<\/td>\r\n<td width=\"397\">146 kW \/ 199 PS<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Getriebe<\/td>\r\n<td width=\"397\">Allison 2100 (5 Vorw\u00e4rts-, 1 R\u00fcckw\u00e4rtsgang)<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Leergewicht<\/td>\r\n<td width=\"397\">ca. 14 Tonnen<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Zul\u00e4ssiges Gesamtgewicht<\/td>\r\n<td width=\"397\">20.7 Tonnen<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"208\">Kapazit\u00e4t<\/td>\r\n<td width=\"397\">90 Personen<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n[\/vc_column_text][\/vc_accordion_tab][\/vc_accordion][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_column_text el_class=&#8220;figcaption&#8220; uncode_shortcode_id=&#8220;328513&#8243;]<strong>Titelbild:<\/strong> Der Mont-Saint-Michel mit seinen engen Gassen und seiner eindr\u00fccklichen Abtei auf dem Berg zieht grosse Touristenmassen an. Viele davon reisen im Zweirichtungs-Shuttlebus \u00fcber den Steg, der die Insel \u00fcber das Wattenmeer mit dem Festland verbindet.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Mont-Saint-Michel, der eindr\u00fcckliche Klosterberg auf einer Insel im normannischen Wattenmeer, ist nicht nur die wichtigste Touristenattraktion der Region, sondern weist auch eine weltweit einzigartige Busl\u00f6sung auf: Die Erschliessung erfolgt prim\u00e4r \u00fcber Zweirichtungsbusse.","protected":false},"author":3,"featured_media":75995,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[77,80],"tags":[161,164,180,181,191,192,193,194,195],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76002"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76002"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76002\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76022,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76002\/revisions\/76022"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/75995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76002"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76002"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ovpanorama.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76002"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}